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Dorothea Dahl - Tätowiererin aus Leidenschaft

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Hallihallo,

 schön, dass du hierher gefunden hast. Ab sofort werden kreative Menschen uns Einblick in ihr Leben geben. 

Als Erstes darf ich euch Dorothea Dahl vorstellen. Doro und ich kennen uns seit mittlerweile über 5 Jahren und haben zusammen studiert und in einer richtig geilen WG gelebt. Danke, dass du meine Freundin bist Doro. Schon damals fand ich es total bewundernswert, dass du alles so lange probiert hast bis es geklappt hat. 

Wer ist Doro?
Sie macht seit Ende 2017 eine Ausbildung zur Tätowiererin und lebt dadurch ihren Traum. Wieso, Weshalb und Warum erfährst du gleich von ihr. Ich finde es Mega, dass sie ihren Weg geht.

Tätowieren ist ein lang ersehnter Traum von dir, richtig? Du hattest dich ja zuerst nach der Schule gegen das Tätowieren entschieden. Warum hast du dich nach dem Studium umentschieden?

 

Da kommen mehrere Punkte zusammen. Zum einen war die Ausgangssituation nach dem Studium eine ganz andere. Ich hatte jetzt einen Abschluss in der Tasche, auf den ich im Notfall zurückgreifen konnte. Das war auch meinem Studio sehr wichtig. Der andere Grund war mehr Schicksal. Durch einen plötzlichen Umzug in eine neue Stadt musste ich mich nochmal neu orientieren. Ich fasste also den Entschluss dem Ganzen eine weitere Chance zu geben und mich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen. Ich wollte es zumindest noch einmal versucht haben – und hatte dann tatsächlich Erfolg.   

"Der andere Grund war mehr Schicksal."

Sehr gut, ich weiß noch genau wie mega du dich darüber gefreut hattest. Es gibt jedoch keine klassische Ausbildung für Tätowierern? 

Das ist richtig, das Tätowierhandwerk ist keine klassische Ausbildung mit Berufsschule und Abschlussprüfungen. Das bedeutet unter anderem, dass man kein Geld während der Ausbildung verdient und deswegen einen Zweitjob benötigt. Das ist eine nicht zu unterschätzende Hürde. Tätowieren ist nicht schnell erlernt und so begleitet einen dieser Nebenjob oft mehrere Jahre bis man auf eigenen Füßen steht.  

Wow, das klingt nach einer ganz schönen Herausforderung. Wie läuft es in deiner Ausbildung ab und wie war dein erstes Mal als du Jemanden gestochen hast?

In der ersten Zeit ist man vor allem Beobachter. Dann kommen mit der Zeit kleine Aufgaben dazu, wie zum Beispiel die Tätowierplätze auf- und abzubauen, Arbeitsmaterialien zu säubern oder nachzufüllen. Es vergeht schon eine gute Weile bis man selbst eine Maschine in die Hand nehmen darf, darauf sollte man sich einstellen. 

Die Aufregung vor dem ersten Tattoo war natürlich schrecklich, aber zum Glück war meine Kundin absolut entspannt. Das hat dann auch mich beruhigt. 

Ich lerne ganz traditionell mit einer Spulenmaschine und trotz vorheriger Übungen auf Obst und Kunsthaut war die Anstrengung für die Hand enorm. Aber man gewöhnt sich schnell daran.   

"Die Aufregung vor dem ersten Tattoo war natürlich schrecklich, aber zum Glück war meine Kundin absolut entspannt."

Da bin ich ja froh, dass Stifte und Pinsel um einiges leichter zu bedienen sind. Was genau heißt tätowieren denn für dich?

Keine einfache Frage. Tätowieren bringt einen auf jeden Fall sehr nah an den Menschen. Und das nicht nur im physischen Kontext. Man trifft auf die unterschiedlichsten Menschen aus allen Altersgruppen, sozialen Schichten, Berufsfeldern und setzt mit ihnen gemeinsam eine Vision um. Dabei gewinnt man viele Einblicke in die unterschiedlichsten Leben. Ich schätze am tätowieren, dass man den Kunden mit einer Tätowierungen z. B. eine wichtige Erinnerung verewigen kann oder ihnen dabei hilft den eigenen Körper nach ihren Wünschen zu dekorieren. Es  ist ein tolles Gefühl, wenn die Kunden in den Spiegel schauen und sich ehrlich freuen. Für mich selbst bedeutet tätowieren auch die Möglichkeit von kreativer Arbeit leben zu können.

Es war spannend dich auf deinen Weg zu beobachten. Bei deinen Motiven sind wiederkehrende Elemente dabei. Welche sind das und wieso gerade diese? 
Häufig verwende ich Elemente aus der Natur und der Mystik bzw. dem Okkultismus. Das sind einfach Themen, die mich selbst sehr berühren und faszinieren. Ich denke darin spiegelt sich vor allem der Wunsch wieder unserer modernen, biederen Alltagswelt zu entfliehen. Die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur beschäftigt mich schon lange und zeigt sich auch in anderen meiner Interessen wie z.B. der Zero Waste Bewegung (das Einsparen von Müll und Schonen von Ressourcen) und dem Veganismus. Mit meinen Zeichnung versuche ich etwas von der Schönheit unserer Umwelt einzufangen und später dem Träger des Tattoos mitzugeben. Manche Motive sind auch symbolisch zu verstehen, als eine Art Talisman. Man könnte also zusammenfassen, dass meine Designs meiner eigenen Suche nach einem verbundenen, ganzheitlichem Leben entspringen. 

"Ich denke darin spiegelt sich vor allem der Wunsch wieder unserer modernen, biederen Alltagswelt zu entfliehen."

Das ist eine wunderschöne Zusammenfassung. Wenn sich jetzt ein Leser denkt, dass er auch unbedingt ein Tattoo haben möchte. Welche Tipps kannst du ihm mitgeben?

Bevor man sich tätowieren lässt, sollte man in Ruhe nach einem passenden Studio suchen. Gute Tätowierer und Studios haben meist recht lange Wartezeiten, ein halbes Jahr ist nicht ungewöhnlich. Es ist sehr zu empfehlen beim Tattoo nicht am Geld zu sparen, schließlich trägt man es ein ganzes Leben mit sich. Ich würde immer dazu raten einen Tätowierer auszuwählen, dessen Stil einem gefällt und ihm oder ihr dann Freiheit mit dem Motiv zu gewähren. So entstehen die schönsten Unikate. 

Was würdest du sagen. Unser Studium hat mit deiner jetzigen Situation nicht so viel zu tun. Kannst du trotzdem etwas vom Studium anwenden?

 Auf jeden Fall! In unserem Studiengang haben wir ja auch einiges über Gestaltung gelernt, sowie den Umgang mit Grafikprogrammen. Adobe Photoshop und Illustrator verwende ich recht regelmäßig. Den größten Nutzen vom Studium sehe ich aber eher in der menschlichen Entwicklung währenddessen, sowie der Fähigkeit sich selbst Zeit einzuteilen, Wissen anzueignen und zu kommunizieren. Ich will diese Erfahrung auf jeden Fall nicht missen, allein für die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte ;) 

Oh ja, über die Menschen, die ich beim Studium kennengelernt habe bin ich auch super froh. Es ist auf jeden Fall toll, dass du deinen Weg als Tätowiererin gehst. Wie hat sich denn dein Leben seitdem verändert?

Mein bisheriger Weg hat mich auf jeden Fall oft außerhalb meiner Komfortzone entlang geführt. Viele Sprünge ins kalte Wasser, viele Stunden Arbeit und Aufregung, aber trotzdem hat man alles irgendwie überlebt. Ich habe gelernt, dass vieles möglich ist, aber auch meine Grenzen erfahren. 

Es ist sehr motivierend, endlich ein Ziel vor Augen zu haben. Mein eigenes Projekt, an dem ich arbeiten und das ich voran bringen kann.    

Eine offensichtliche Veränderung ist, dass ich immer sehr spät zuhause bin. Generell nimmt das Tätowieren viel Raum in meinem Leben ein. Das Wochenende ist hauptsächlich zum zeichnen da. 

"Es ist sehr motivierend,

endlich ein Ziel vor Augen zu haben."

Du hast ja auch einen wunderbaren Partner, der dich unterstützt. Wenn jemand von den Lesern ein Kindheitstraum hat. Was würdest du Demjenigen mit auf den Weg geben?

Einen Versuch ist es immer wert. Ich glaube, dass vieles möglich ist, wenn man es wirklich will, hart dafür arbeitet und auch bereit ist Entbehrungen auf sich zu nehmen. Vor zwei Jahren hätte ich es niemals für möglich gehalten jetzt hier zu sein.  

Vielen lieben dank für deine Einblicke in dein aktuelles Leben und deine Gedanken. Eine letzte Frage habe ich noch. Was sind deine nächsten Pläne? Was ist deine Vision?
Mein Hauptziel ist es natürlich vom Neuling langsam zum Profi heranzureifen. Meine Fähigkeiten im Tätowieren und Zeichnen voran treiben, um eines Tages in Vollzeit meinen Lebensunterhalt als Tätowiererin zu bestreiten.
   
Das wars auch schon wieder mit dem ersten Interview. Vielen Dank, dass du uns ein paar Fragen beantwortet und mir deine Bilder zur Verfügung stellt hast.
Wie du sehen kannst - Es ist nie zu spät seinen Traum zu leben. Auch wenn du etwas anderes gelernt  hast, es hilft dir auf irgendeiner Weise auch bei deinem weiteren Weg. 
Schau nun sehr gerne einmal auf Doros Instagram oder Facebook Seite vorbei. Dort findest du ihre gestochenen Tattoos, aber auch Wanna Dos und kannst sie bei ihren Weg begleiten. 
Mich würde es jetzt sehr interessieren, wie dir das Interview gefallen hat. 
Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und bis bald.
Deine

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